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Inhalt:
Allgemeines
Filterarten
Vergütung
Nützliche Filter
UV-Filter
Skylight-Filter
Polarisationsfilter / Polfilter
Farbkonversionsfilter
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Abbildungsfehler
Linsen und Linsenfehler
Objektivtypen

Allgemeines

Von den Kamera- bzw. Objektivherstellern und noch vielmehr von Zubehörherstellern wird eine derart große Vielzahl von Aufnahmefiltern angeboten, daß man sehr leicht den Überblick verlieren kann. Nachfolgend erfahren Sie, was Filter bewirken und welche Filter man für analoge wie digitale Kameras wirklich benötigt.


Filterbauarten

Bei Filtern handelt es sich meistens um planparallele Glas- oder Kunststoffscheiben. Diese sind entweder eingefärbt oder aber deren Oberfläche besitzt eine bestimmte Struktur. Ebenfalls möglich ist, daß eine Filterfolie zwischen zwei planparallelen Glasplatten eingebettet ist. Glasfilter sind heutzutage in unterschiedlichen Qualitätsstufen vergütet, während sich diese qualitätssteigernde Maßnahme bei Kunststoffiltern aus herstellungstechnischen Gründen noch nicht durchgesetzt hat, weshalb man von diesen eigentlich nur abraten kann. Diese  Vergütung verhindert im Vergleich zu unvergüteten Filtern Geisterbilder und Streulicht. Sehr wichtig ist, daß die Filterscheibe absolut planparallele Oberflächen besitzt. Eine unzureichende Planparallelität vermindert die Auflösung und sorgt schlimmstenfalls für Bildverzerrungen; schauen Sie als krassen Vergleich einfach einmal durch den Flaschenboden einer Klarglasflasche.

Weitverbreitet sind Einschraubfilter. Bei ihnen sind runde Filterscheiben in meistens Messing eingefaßt. Die Messingfassung ist zur Verminderung von Reflexionen fast immer schwarz beschichtet und besitzt ein Feingewinde, mit dem man den Filter in das Filtergewinde des Objektivs einschrauben kann. Es gibt insbesondere von Kameraherstellern für Mittelformatkameras aber auch Filter mit Bajonett. Eine weitere Bauart, speziell für Effektfilter, sind rechteckige Kunststoffscheiben, die in einen speziellen Halter eingesteckt werden (z.B. Cokin-System). Der Halter selbst besitzt ein Feingewinde und wird in das Filtergewinde des Objektivs eingeschraubt oder mittels Bajonett adaptiert.


Vergütung

Glasfilter besitzen heutzutage eigentlich immer eine Oberflächenvergütung. Bei Brillen wird diese oft als Entspiegelung bezeichnet. Licht geht nämlich selbst beim nahezu rechtwinkligen Auftreffen auf eine unvergütete Glasscheibe (das ist der günstigste Fall) nicht zu 100% durch die Scheibe. Vielmehr werden ca. 4-6% bei jedem Übergang von Luft zu Glas und auch umgekehrt reflektiert, wodurch es zu Geisterbildern und Streulicht kommt. Im nachfolgenden Abschnitt ist erklärt, wie dies zustandekommt. Falls Sie sich nicht für Details interessieren, können Sie diesen einfach überspringen.
Polfilter in Durchlaßrichtung
Bild 1: Lichtdurchgang durch eine Glasscheibe

Beim Eintritt in die hellblau dargestellte Glasscheibe wir ein Lichtstrahl (rot) zum optisch dichteren Medium d.h. dem Glas hin gebeugt. Beim Austritt setzt es seinen Weg in der ursprünglichen Richtung weiter fort. Soweit der Idealzustand, den man erreichen möchte. In der Realität wird ein Teil des Lichtes (violett) beim Auftreffen auf das optisch dichtere Medium sprich die Glasscheibe reflektiert. Dies ist nicht weiter tragisch und vermindert nur die Lichtstärke hinter der Glasscheibe ein wenig. Beim Austritt des rot dargestellten Lichtstrahls aus dem Glas wird jedoch ebenfalls ein Teil in die Glasplatte zurückreflektiert (pink), der auf der anderen Seite austritt und damit wie der violette Strahl keinen Schaden anrichtet. Beim Übergang Glas-Luft wird allerdings wieder ein Teil zurückreflektiert (blau), der ins Objekiv gelangt und dort zu Geisterbildern oder Streulicht führt.

Durch eine Vergütung macht man durch Einsatz aufgedampfter Schichten den Übergang vom optisch dünnen Medium (Luft) zum optisch dichten Medium (Glas) bildlich gesprochen weicher, so daß der Reflexionsgrad deutlich sinkt. Es gibt mehrere Qualitätsstufen der Vergütung, angefangen von einer Einfachvergütung bis hin zur aufwendigen Mehrfachvergütung aus mehreren übereinanderliegenden Schichten. Auch wenn mehrfachvergütete Filter z.T. erheblich teurer sind als einfach vergütete, sollten Sie die Ausgabe nicht scheuen.


Nützliche Filter

Filter kann man (natürlich subjektiv) in zwei Gruppen einordnen: Die kleine Gruppe der wirklich nützlichen Filter und die große Gruppe der Filter, mit denen man lediglich billige Effekte erzielen kann. Zur ersten Gruppe zählen für Leute, die mit Farbfilmen oder mit digitalen Kameras fotografieren, nach meiner Meinung lediglich UV- bzw. Skylightfilter, Polarisationsfilter und bei Kameras mit chemischem Film auch Farbkonversionsfilter. Wer mit Schwarzweißfilmen fotografiert, kann darüberhinaus mit Farbfiltern die Umsetzung der Farben in Grauwerte sinnvoll beeinflussen. Ebenfalls sinnvoll aber erstens sehr selten und zweitens extrem teuer sind spezielle, farbneutrale Verlauffilter, mit denen man den Randlichtabfall von Extremweitwinkelobjektiven ausgleichen kann, indem man die Bildecken unverändert läßt und zur Bildmitte hin zunehmend abdunkelt. Weichzeichnervorsätze sind weitere Filter, die noch einigermaßen sinnvoll sein können, sofern Sie kein spezielles Weichzeichnerobjetiv besitzen.

Zur großen Gruppe der absolut schwachsinnigen Filter gehören sämtliche Effektfilter, mit denen man einen bestimmten (meist Farb-) Effekt erzielen kann. Das Dumme an diesen meist als Kreativfilter bezeichneten Filtern ist, daß diese mit Kreativität überhaupt nichts zu tun haben. Es mag meine ganz persönliche Einstellung sein, aber wie ein Regenbogenfilter, ein Spektraleffekt, ein Pseudo-Bewegungsfilter, ein Tricolorfilter oder ein Farbverlaufsfilter von beispielsweise grün nach pink ein Bild verbessern soll, bleibt mir absolut verborgen. Hinzu kommt, daß man in jedem Fall sieht, daß es nur ein billiger Effekt ist.


UV-Filter

Ein UV-Filter hat die Aufgabe, ultraviolettes Licht abzublocken. Dieses für das Auge unsichtbare Licht wird, da Objektive nur für sichtbares Licht korrigiert sind, infolge chromatischer Aberration (d.h. Licht unterschiedlicher Farbe trifft sich nicht in einem Punkt) unscharf auf dem Film abgebildet, wo es zur Belichtung der blauempfindlichen Schicht führt. Dies hat einen blauen Farbstich und Bildunschärfen zur Folge. Soweit die Theorie der Filterhersteller. In der Praxis benötigt man UV-Filter für diesen Zweck überhaupt nicht, weil erstens das in Summe dicke Glas der Objektive (kaum eines hat weniger als 6 Linsen, oft sind es deutlich mehr) UV-Licht mindestens genausogut sperrt. Zweitens besitzen moderne Filme als erste Schicht eine UV-Schutzschicht, und digitale Bildsensoren sind mit einem kombinierten UV/IR-Filter ausgestattet.

Daß ein UV-Filter trotzdem sinnvoll sein kann, hat einen ganz anderen Grund: Er schützt die Frontlinse des möglicherweise sehr teuren Objektivs vor Beschädigung. Der Austausch einer zerkratzten oder durch aggressive Flüssigkeiten (z.B. Meerwasser) beschädigten Frontlinse ist oft so teuer, daß er nicht lohnt. Ein guter Filter ist zwar vor allem bei einem großen Durchmesser nicht gerade billig, kostet im Vergleich zu einem neuen Objektiv aber sehr wenig Geld. Objektive, die in "rauher Umgebung" zum Einsatz kommen, schütze ich daher immer mit einem UV-Filter. Objektive, bei denen ein pfleglicher Umgang 100% sichergestellt werden kann, verwende ich hingegen ohne Schutzfilter.

Fotopuristen, die in der Regel auch die Verwendung von Zoom-Objektiven ablehnen, werden das Einbringen einer zusätzlichen Glasfläche in den Strahlengang natürlich aus Prinzip ablehnen. Den theoretisch denkbaren bildverschlechternden Einfluß als für das Auge sichtbaren Effekt nachzuweisen, ist mir durch Anfertigung von Vergleichsaufnahmen nicht gelungen. Allerdings verwende ich auch keine Billigfilter zweifelhafter Herkunft mit welligem Glas und schlechter Vergütung.


Skylight-Filter

Ein Skylightfilter ist im Grunde ein sehr schwaches  Farbkonversionsfilter und sorgt für eine geringfügig wärmere d.h. rötlichere Farbwiedergabe. Bei Negativfilmen und digitalen Kameras ist dieser Einfluß irrelevant, weil die Farbwiedergabe ohnehin in erster Linie vom Fotolabor abhängt bzw. der Weißabgleich die leichte Filterwirkung korrigiert. Wie jedes nicht speziell UV-durchlässiges Spezialglas sperrt auch ein Skylightfilter UV-Licht. Skylightfilter werden genauso wie UV-Filter gern als Objetivschutz verwendet.


Polaristionsfilter / Polfilter

Lineare Polaristionsfilter / Polfilter

Sicher haben Sie davon gehört, daß man mit Polarisationsfiltern, kurz Polfilter genannt, einerseits blauen Himmel abdunkeln und andererseits Reflexe auf Wasser oder Glas beseitigen kann. Polfilter lassen technisch gesehen nur Licht einer Schwingungsebene passieren und sperren Licht aller anderen Schwingungsebenen. Hört sich kompliziert an, läßt sich aber recht einfach erklären. Wenn Sie sich nicht mit technischen Details beschäftigen möchten, können Sie weiter unten bei der  Anwendung weiterlesen. Ansonsten geht's hier weiter:
Polfilter in Durchlaßrichtung
Bild 2: Polarisationsfilter in Durchlaßrichtung

Das, was man gemeinhin Licht nennt, ist physikalisch gesehen ein wildes Durcheinander elektromagnetischer Wellen verschiedener Wellenlängen und verschiedener Schwingungsebenen. Ein Polfilter kann man sich als Gitter vorstellen, das aus parallel angeordneten Stäben besteht. Betrachtet man eine einzige Welle des Lichts mit einer bestimmten Ausrichtung, so kann die Welle das Filter völlig ungestört passieren, wenn die Stäbe des Gitters so angeordnet sind, daß die Welle an ihnen entlang problemlos auf und ab schwingen kann, wie in Bild 2 dargestellt. Man kann sich den Platzbedarf (blaßrot dargestellt) einer solchen Welle als dünnen Papierstreifen vorstellen. Die Welle ist sehr dünn, braucht aber zum Schwingen nach oben und unten relativ viel Platz. Längs kann man einen Papierstreifen problemlos durch ein Gitter stecken, und genauso kann eine Welle das Gitter problemlos passieren.
Polfilter in Sperrichtung
Bild 3: Polarisationsfilter in Sperrichtung

Sind die Gitterstäbe quer angeordnet, können die Wellenbäuche und -täler der Lichtwelle das Gitter nicht passieren, wie in Bild 3 dargestellt. Vergleichbar ist dies mit einem Papierstreifen, der nicht durch ein querliegendes Gitter paßt. Ist das Gitter in einem anderen Winkel angeordnet, so wird die Welle mehr (fast quer angeordnet) oder weniger (fast sekrecht angeordnet) abgeschwächt.
 
Direktes Sonnenlicht ist unpolarisiert, d.h. es finden sich in ihm Lichtwellen sprich Lichtstrahlen mit den verschiedensten Schwingungsebenen. Ein Polarisationsfilter sperrt von diesem Licht alle "querliegenden" Lichtstrahlen und dämpft solche recht stark, deren Schwingungsebene nicht genau durch das Gitter paßt. Hinter dem Polfilter ist daher fast ausschließlich Licht einer Schwingungsebene vorzufinden, so daß die Lichtintensität hinter dem Filter deutlich geringer als davor ist. Dies erklärt auch, warum ein Polfilter in unpolarisiertem Licht immer grau aussieht. Egal wie herum man das Filter dreht, wird immer gleich wenig Licht durchgelassen. In der Praxis beträgt der Lichtverlust ca. 2 bis 3 Blendenwerte.

Hat das Licht jedoch eine Vorzugsrichtung, ist also mehr oder weniger polarisiert, ändert sich die Lichtintensität hinter dem Filter in Abhängigkeit zu dessen Drehposition. Und tatsächlich gibt es Situationen, wo Licht im Alltagsleben wenigstens ein bißchen polarisiert ist. Die in der Fotografie wichtigsten beiden Fälle sind Reflexe auf nichtmetallischen Flächen und das Himmelsblau.

Anmerkung für technisch Interessierte: Licht ist eine elektromagnetische Welle. Ein Polfilter sorgt dafür, daß das E-Feld dieser elektromagnetischen Welle in Sperrichtung kurzgeschlossen und damit stark bedämpft wird. Polfilter kann man dadurch herstellen, daß man durchsichtigen Kunststoff mit langen, elektrisch leitfähigen Molekülen in eine Richtung streckt, damit sich diese Moleküle egrade ausrichten und ein Gitter wie in Bild 2 ergeben. Im Gegensatz zu obiger Erklärung mit dem Papierband wird in dieser Anordnung das Licht aber gesperrt, weil die elektrisch leitfähigen Moleküle in dieser Richtung die elektromagnetische Welle kurzschließen. Verläuft die Welle hingegen wie in Bild 3 quer zu den Molekülen, kann die Welle passieren, weil in dieser Richtung keine leitfähige Verbindung besteht.

Zirkulare Polaristionsfilter / Polfilter

Zusätzlich zu den gerade erklärten linearen Polarisationsfiltern gibt es sogenannte zirkulare Polarisationsfilter. Diese benötigt man für alle modernen Spiegelreflexkameras (egal ob analog oder digital), bei denen linear polarisiertes Licht je nach Ausrichtung der Polarisationsebene zu einer fehlerhaften Belichtungsmessung führen würde. Ob Ihre Kamera ein zirkulares Polfilter benötigt, steht immer in der Bedienungsanleitung. Bei Kameras, in deren Bedienungsanleitung kein Hinweis zu Polfiltern enthalten ist, können Sie sowohl lineare als auch zirkulare Polfilter verwenden. Zirkular heißt dabei, daß vom ankommenden Licht zwar nur eine Schwingungsrichtung durchgelassen wird (was die Filterwirkung hervorruft), das Licht dahinter aber im Takte der Frequenz des Lichts in Rotation versetzt wird, wodurch es dem Belichtungsmesser wie unpolarisiertes Licht erscheint. Aus fototechnischer Sicht verhalten sich zirkulare Polfilter absolut genauso wie lineare Polfilter, da es für die Wirkung eines Polfilters salopp gesagt nur darauf ankommt, in welcher Ausrichtung der Filter Licht hereinläßt. Und dies wird ausschließlich durch den linearen Polfilter bestimmt, der bei einem zirkularen Polfilter die erste der beiden Komponenten ist. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Kamera einen linearen oder einen zikularen Polfilter benötigt, liegen Sie daher mit einem zirkularen Filter auf der sicheren Seite.

Zirkulare Polfilter bestehen aus einem ganz normalen linearen Polfilter sowie einer auf der dem Objektiv zugewandten Seite angeordneten sogenannten Lambda-Viertel-Verzögerungsschicht. Diese zusätzliche Verzögerungsschicht ist der Grund, warum zirkulare Polfilter grundsätzlich etwas teurer sind als lineare Polfilter vergleichbarer Qualität. Die nachfolgende Erklärung der Funktionsweise ist leider nicht gerade leicht verständlich. Wenn Sie sich nicht für die physikalischen Hintergründe interessieren, können Sie diesen Abschnitt komplett überspringen und bei "Reflexe" weiterlesen. Die Lambda-Viertel-Verzögerungsschicht besteht aus optisch isotropem Material, dessen besondere Eigenschaft ist, daß seine Brechzahl und damit die Lichtgeschwindigkeit im Material winkelabhängig ist und zwei Vorzugsrichtungen besitzt. In einer Richtung ist die Brechkraft hoch und damit die Lichtgeschwindigkeit im Material niedrig, in der 90° dazu verdrehten Richtung ist die Brechkraft niedrig und damit die Lichtgeschwindigkeit im Material hoch. Mit 0° eingespeistes polarisiertes Licht kommt daher etwas später auf der anderen Seite an als mit 90° eingespeistes. Bei geeignet gewählter Dicke dieses Materials kann man durch den Laufzeitunterschied erreichen, daß ein Phasenversatz von einem Viertel der Wellenlänge zwischen mit 0° und 90° eingespeistem Licht entsteht (im Fachjargon nennt man das λ/4; λ (griech. Lambda) ist die Einheit für die Wellenlänge). Eine solche Schicht ordnet man hinter einem linearen Polfilter an und richtet sie so aus, daß die Richtung mit der höchsten Brechkraft in einem Winkel von 45° zur Polarisationsrichtung steht.

Damit trifft das polarisierte Licht in einem Winkel genau zwischen der niedrigsten und der höchsten Brechkraft auf die Verzögerungsschicht. Das isotrope Material kennt aber nur zwei Vorzugsrichtungen, nämlich hohe Brechkraft sprich niedrige Lichtgeschwindigkeit bei 0° Einspeisung und niedrige Brechkraft sprich hohe Lichtgeschwindigkeit bei 90° Einspeisung; Zwischenwerte gibt es nicht, d.h. das polarisierte Licht paßt nicht ins Raster. Wenn man sich das Ganze vektoriell anschaut, kann man den nicht ins Raster passenden Gesamtvektor in zwei Teilvektoren zerlegen, die ins Raster passen und im 90°-Winkel zueinander stehen. Das ist genau das, was die Verzögerungsschicht macht: Das polarisierte Licht wird in zwei gleichgroße Komponenten aufgeteilt, eine mit 0° und eine mit 90°. Diese beiden Komponenten erscheinen dann gemäß der isotropen Brechungseingenschaften der Verzögerungsschicht mit einem Laufzeitunterschied von λ/4 auf der anderen Seite und addieren sich dort wieder zu einer Gesamtwelle. Da man durch den Laufzeitunterschied von λ/4 aus einer unter 45° eingespeisten Sinusschwingung eine Sinus- plus eine rechtwinklig dazu stehende Cosinusschwingung erhält, ändern sich die Momentanwerte mit der Frequenz des Lichts. Bei der Addition dieser Teilwellen zu einer Gesamtwelle ändert sich nicht nur der Momentanwert der Schwingung sondern auch der Winkel. Wenn man einen Schwingungszyklus betrachtet, beschreibt dieser einen Kreis, während die Gesamtamplitude sinusförmig ist. Als Ergebnis erhält man so eine sich mit der Frequenz des Lichts drehende Welle, also eine rotierende Polarisation. Diese rotierende Polarisation ist nichts anderes als die besagte zirkulare Polarisation. Das Licht auf der Ausgangsseite enthält damit wieder alle Schwingungsebenen, wodurch in der Meßelektronik der Kamera enthaltene polarisierende Elemente quasi unpolarisiertes Licht sehen und dadurch unabhängig von der Filterstellung Fehlmessungen vermieden werden. Falls Sie sich für weitere Details und eine bildliche Darstellung zu dieser zugegeben recht schweren Kost interessieren, finden Sie in der englischsprachigen Wikipedia unter  Polarizer eine anschauliche Erklärung.

Polaristionsfilter / Polfilter in der Praxis

Reflexe
Bei der Reflexion auf glatten nichtmetallischen Oberflächen wird Licht bei einem bestimmten Winkel (Brewster-Winkel) vollständig polarisiert und in einem großen Bereich um diesen Winkel wenigstens teilweise. Dies liegt daran, daß Lichtwellen nur dann reflektiert werden können, wenn ihre Schwingungsebene sozusagen quer auf die Oberfläche auftifft (rote Welle). Senkrecht auftreffende Wellen (blaue Welle) können nicht reflektiert werden. Wenn man den Polfilter so dreht, daß er dieses Licht nicht durchläßt, erscheinen die Reflexe nicht im Bild. Man kann deshalb durch eine (ohne Polfilter) spiegelnde Glasscheibe durchsehen. Gleiches trifft auf eine spiegelnde Wasserobefläche zu, und auch das Glitzern des Wassers bei leichten Wellen kann man deutlich reduzieren. Bei metallischen Oberflächen funktioniert dies hingegen nicht. Warum das so ist, läßt sich leider nicht mit einfachen Worten erklären, sondern ist quantenmechanisch bedingt. In kurzen, komplizierten Worten: Ursache für dieses Verhalten sind die quasifreien Elektronen im Metallgitter, die unabhängig von der Schwingungsrichtung der Welle deren Energie absorbieren und wieder als neue Welle (das ist das reflektierte Licht) abstrahlen können, während die gebundenen Elektronen nichtmetallischer Materialien nicht alle Schwingungsrichtungen absorbieren und damit auch nicht emittieren können, so daß bestimmte Schwingungsrichtungen im reflektierten Licht fehlen.
Polarisierung durch Reflexion
Bild 4: Polarisierung durch Reflexion



Himmelsblau
Das Himmelsblau wird durch Streuung des Sonnenlichts in der Atmosphäre verursacht (sogenannte Rayleigh-Streuung). Licht kurzer Wellenlänge d.h. blaues Licht wird dabei an Molekülen der Luft durch Beugungseffekte stärker abgelenkt d.h. gestreut als längerwelliges d.h. rotes Licht. Dabei wird es auch ein wenig polarisiert. Bei einem Winkel zwischen Sonne und Blickrichtung zwischen etwa 40° und 60° ist die Polarisation am stärksten. Sorgt man dafür, daß das Polfilter so ausgerichtet ist, daß der polarisierte Anteil des Lichts unterdrückt wird, so wird der Himmel auf dem Foto deutlich dunkler wiedergegeben als ohne Polfilter. Die Landschaft wird normalerweise durch weitgehend unpolarisiertes Licht beleuchtet, weil direktes, unpolarisiertes Sonnenlicht viel intensiver ist als das teilpolarisierte blaue Rayleigh-Licht des Himmels.Durch Drehen des Polfilters ergibt sich damit keine nennenswerte Helligkeitsverminderung der Landschaft. Bei manchen Lichtsituationen wird jedoch das Licht zusätzlich durch Reflexion auf dem Motiv (z.B. auf den Blättern von Pflanzen) polarisiert, wodurch das Drehen des Polfilters auch Einfluß auf die Wiedergabe dieser Pflanzen hat. Den Effekt kann man im Sucher sehr gut beurteilen und durch geringfügiges Verdrehen des Filters Ihren Wünschen entsprechend steuern.

Wenn das Himmelsblau dunkler und damit plakativer erscheinen soll, muß man bestimmte Spielregeln einhalten. Der Effekt ist nämlich am größten, wenn man sich so postiert, daß sich zwischen Blickrichtung der Kamera und Sonne ungefähr ein Winkel von ungefähr 50° ergibt. Man kann also nicht in eine beliebige Himmelrichtung fotografieren und darauf hoffen, daß man mit dem Polfilter das Himmelsblau beliebig abdunkeln kann! Desweiteren gilt es zu beachten, daß der Abdunklungseffekt wie gesagt relativ zur Position der Sonne unterschiedlich stark ist. Daher sollte man keine zu kurzbrennweitigen Objektive verwenden, um eine sehr ungleichmäßige Himmelsfärbung zu vermeiden. Glücklicherweise kann man die Auswirkungen gut im Sucher beurteilen; man muß lediglich diesen Aspekt im Hinterkopf behalten und wirklich darauf achten.


Farbkonversionsfilter

Die üblichen Farbfilme sind für Licht mit der Farbtemperatur 5500 K ausgelegt. Nur wenn ein graues Objekt mit Licht dieser Farbtemperatur beleuchtet wird, befinden sich die im Film gebildeten Farben im Gleichgewicht und es ergibt sich eine farbneutrale Wiedergabe, d.h. Grau wird grau wiedergegeben; vorausgesetzt das Labor macht keinen Unsinn. Bei einer höheren Farbtemperatur erscheint die Wiedergabe blauer, bei einer niedrigeren ergibt sich ein gelblich/rötlicher Farbstich. Während man leichte Farbstiche bei Negativfilmen sehr leicht im Labor bei der Herstellung eines Abzugs korrigieren kann, besteht diese Möglichkeit bei Diafilmen nicht. Aus diesem Grund gibt es Farbkonversionsfilter, die so eingefärbt sind, daß sie den Farbstich schon bei der Aufnahme korrigieren. Sie sind rötlich eingefärbt für Licht mit hoher Farbtemperatur und bläulich für Licht mit niedriger Farbtemperatur. Bei digitalen Kameras brauchen Sie sich über solche Filter keinerlei Gedanken zu machen, denn diese verfügen über einen sogenannten Weißabgleich, der genau die gleiche Funktion besitzt wie Farbkonversionsfilter und diese daher überflüssig macht.

Es ist nicht ganz leicht, den richtigen Korrekturfilter visuell zu bestimmen, da sich das Auge sehr schnell unbemerkt an die Lichtfarbe adaptiert. Der Unterschied wird Ihnen nur dann auffallen, wenn Sie mit einer Graukarte in der Hand z.B. bei blauem Himmel in einen mit Glühlampen beleuchteten Keller gehen. Die vorher als grau empfundene Graukarte erscheint dann gelblich/rötlich. Aber nach kurzer Zeit gewöhnt sich das Auge (genauer gesagt das Gehirn) an dieses Licht und die Graukarte wird wieder als grau wahrgenommen. Treten Sie dann nach draußen, erscheint die Graukarte im ersten Moment bläulich. Aber auch hier adaptiert sich das Auge schnell an die Gegebenheiten, und die Graukarte wird auch hier wieder als grau wahrgenommen. Weil auf das Auge keinerlei Verlaß ist, muß man entweder die Farbtemperatur anhand gewisser Rahmenbedingungen abschätzen (sehr ungenau) oder aber mit einem Farbtemperatur-Meßgerät messen.

Beispiel 1: Blauer Himmel und Aufnahme eines im Schatten liegenden Motivs. Hierbei wird das Motiv nicht direkt von der Sonne beleuchtet sondern durch den blauen Himmel. Raten Sie einmal, welche Farbe dieses Licht hat. Genau: Blau! Die Farbtemperatur ist extrem hoch und die unkorrigierte Aufnahme wird einen starken blauen Farbstich besitzen.

Beispiel 2: Abendliche Aufnahme im Innenraum mit Glühlampenbeleuchtung. Die Farbtemperatur von Glühlampen (sie entspricht der Glühwendeltemperatur) beträgt zwischen ca. 2700 und 2900 K, was 2400 bis 2600 °C entspricht. Das Licht hat einen hohen Gelb- und Rotanteil, weshalb die Aufnahme stark gelb-/rotstichig ausfallen wird.

Das Hantieren mit diesen Filtern ist umständlich, und Meßgeräte sind sehr teuer. Dies sind neben der Unkenntnis der Zusammenhänge die Hauptursachen, warum in der Praxis Farbkonversionsfilter nur selten verwendet werden. Dabei sind sie selbst bei Farbnegativfilmen unter bestimmten Bedingungen durchaus sinnvoll. Denn starke Farbstiche führen dazu, daß eine der 3 farbempfindlichen Schichten unterbelichtet wird. Belichtungsmesser sind farbenblind und berücksichtigen die unterschiedlichen Farbanteile des Lichts nicht. Beispielsweise ist in Glühlampenlicht kaum blaues Licht enthalten. Die grün- und rotempfindlichen Schichten werden zwar richtig belichtet, aber die blauempfindliche Schicht erhält zu wenig Licht und kann daher dunkle blaue Farbanteile der zu fotografierenden Objekte nicht abbilden. Wenn man später im Labor beim Erstellen eines Abzugs versucht, den Farbstich auszufiltern, wird man feststellen, daß dies für mittlere und helle Bildbereiche wie gewohnt funktioniert, sich in dunklen Bildbereichen jedoch ein Farbstich ergibt, der umso größer ist, je dunkler der Bildbereich ist. Dieser Farbkipp ist nicht korrigierbar, denn auf dem Film nicht vorhandene Dinge kann man auch mit teuerster Technik nicht nachträglich herbeizaubern.

Durch Einsatz eines im Beispiel bläulichen Farbkonversionsfilters kann man den starken gelb/roten Farbstich korrigieren, so daß alle farbempfindlichen Schichten annähernd gleichviel Licht abbekommen und dadurch keine der Schichten unterbelichtet wird. Ein Filter kann kein blaues Licht hinzuzaubern sondern nur das Zuviel an gelbem/rotem Licht durch seine blaue Färbung dämpfen, so daß sich ein Lichtverlust ergibt, der 3 Blendenstufen und mehr betragen kann. Das ist genau der Wert, um den die blauempfindliche Schicht ohne Filter unterbelichtet würde. Bei Farbnegativfilmen genügt eine grobe Korrektur, weil eine Feinkorrektur ohnehin bei der Herstellung des Abzugs erfolgt. Bei Diafilmen muß man zur farbneutralen Wiedergabe einen deutlich höheren Aufwand betreiben und die Farbtemperatur möglichst genau korrigieren.

Man sollte nicht, z.B. weil man sich ein teures Farbtemperaturmeßgerät geleistet hat, den Ehrgeiz besitzen, die Farbtemperatur bei allen Aufnahmen zur Gänze zu korrigieren. Ein Farbstich kann nämlich auch für eine bestimmte Bildstimmung sorgen. Das beste Beispiel ist ein Sonnenuntergang mit seinem starken Orange-/Rotstich, bei dem eine Korrektur das ganze Bild verhageln würde, weil dann die Sonne bei "optimaler" Korrektur grau wiedergegeben würde. Nach nur wenigen Filmen bekommt man ein recht gutes Gespür dafür, welche Aufnahmen man korrigieren sollte, welche man weniger korrigieren sollte als gemessen und welche man total unkorrigiert lassen sollte.

Tip: Wenn Sie Negativfilme mit Farbabstimmung für Sonnenlicht (das sind die üblichen) bei Kerzen- oder Glühlampenlicht verwenden, sollten Sie generell um ca. 3 Blendenstufen überbelichten. Dies hat zur Folge, daß die blauempfindliche Schicht annähernd richtig belichtet wird. Die rotempfindliche Schicht wird dadurch zwar um diese 3 Blendenstufen und die grünempfindliche geringfügig überbelichtet, aber eine Überbelichtung in dieser Größenordnung verkraften Negativfilme klaglos. Durch diese Vorgehensweise entfällt der Farbkipp durch die Unterbelichtung der blauempfindlichen Schicht. Wenn man möchte, kann man dann auch im Labor durch geeignete Filterung einen farbneutralen und farbkippfrdeien Abzug herstellen. Der einzige Nachteil ist, daß man bei 3 Blendenstufen eine achtmal längere Belichtungszeit, eine um 3 Blendenstufen vergrößerte Blendenöffnung, einen um 3 Stufen empfindlicheren Film oder eine Kombination aus allem benötigt - und das bei ohnehin schon kritischen Lichtbedingungen.
   

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Letztes Update dieser Seite: 23.08.2014 (Untergeordnete Seiten können aktueller sein)