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Spinne mit Fliege
Bild 1: Spinne mit erbeuteter Fliege

Allgemeines

Als Makroaufnahmen (oder Macroaufnahmen bzw. Nahaufnahmen) werden meistens Aufnahmen bezeichnet, bei denen das Fotomotiv in einem Maßstab von 1:10 oder größer auf dem Film oder Bildsensor abgebildet wird. Dies hat zur Folge, daß infolge der Vergrößerung, die sich beim Herstellen eines Abzugs ergibt, das Motiv oft größer abgebildet wird als das Original. Rechenbeispiel: Ein Objekt mit 7,2 cm Breite wird formatfüllend auf Kleinbildfilm aufgenommen, d.h. nutzt die 36 mm Bildbreite voll aus, was dem Maßstab 1:2 auf dem Negativ entspricht. Bei einem 13x18-Abzug mit 18 cm Breite ergibt sich von Film zu Abzug eine Vergrößerung von 18/3,6 = 5:1, so daß das abgebildete Objekt im Endeffekt 2,5mal (1:2 mal 5:1) so groß wiedergegeben wird wie das Original.

Um eine große Abbildung zu erreichen, muß bei vorgegebener Brennweite der Abstand des Objektivs zum Objekt relativ klein sein, weshalb man statt Makroaufnahmen gern auch den Begriff Nahaufnahmen verwendet. Ganz normale Objektive besitzen aber oft eine Naheinstellgrenze von lediglich zwischen 20 cm bei Weitwinkelobjektiven und bis zu 10 m bei extremen Teleobjektiven. Auf Objekte, die näher sind, kann man daher nicht mehr scharfstellen. Genau um diese Einschränkung zu umgehen, gibt es spezielles Nahaufnahmezubehör. Welches das ist und wie man damit umgeht, ist nachfolgend beschrieben.


Theorie

Zum Verständnis der Problematik bei Makro- sprich Nahaufnahmen bleibt Ihnen leider wieder einmal ein Mindestmaß an Theorie nicht erspart. Sicher ist Ihnen der Begriff Brennweite bereits geläufig. Es ist salopp gesprochen der Abstand zur Linse, in dem sich das Sonnenlicht in einem Punkt vereinigt, wie dies in Bild 1 dargestellt ist.

Bild 1:
Brennweite einer Linse

Genaugenommen ist die Brennweite die Entfernung zwischen Hauptebene der Linse und der Ebene, in der unendlich weit entfernte Objekte scharf abgebildet werden. Aufgrund der unendlich hohen Entfernung sind die auf die Linse eintreffenden Lichtstrahlen, die vom Objekt ausgehen parallel. Ist das Objekt näher, so besitzen die Lichtstrahlen eine Divergenz, die dazu führt, daß die Schärfeebene etwas weiter von der Linse entfernt als die Brennweite, wie dies in Bild 2 anhand von 2 beliebigen Punkten auf dem Objekt dargestellt ist.

Bild 2:
Abbildung einer Linse

Die Lichtstrahlen werden um das gleiche Maß gebündelt wie bei parallelem Licht. Da die Lichtstrahlen vor der Linse divergieren, brauchen sie hinter der Linse einen weiteren Weg, um in einem Punkt zusammenzufinden. Jeder Punkt des Objekts ist punktförmige Quelle von Licht, das in alle möglichen Richtungen abgestrahlt wird. Und jeder einzelne Punkt des Objekts vor der Linse wird auf der Schärfeebene hinter der Linse wieder in einem Punkt abgebildet, sodaß in Summe das Objekt in der Schärfeebene scharf abgebildet wird. Im obigen Beispiel sind Objekt und Abbild gleich weit von der Hauptachse der Linse entfernt, wodurch übrigens der Abbildungsmaßstab 1:1 beträgt. Rückt das Objekt noch näher an die Linse heran, passieren 2 Dinge: Erstens wird der Abstand zwischen Linse und Schärfeebene größer und zweitens wird das Objekt größer abgebildet.

Wichtig zu wissen ist, daß der Abstand zwischen Linse und Schärfeebene (sprich Film bzw. Bildsensor) vergrößert werden muß, wenn der Abstand zwischen Objekt und Linse reduziert wird. Gleichzeitig wird das Objekt umso größer abgebildet, je dichter man es zur Linse postiert. Unterschreitet der Abstand jedoch die Brennweite der Linse, reicht deren Brechkraft nicht mehr aus, die divergierenden Lichtbündel in je einem Punkt zu bündeln, und es ergibt sich kein scharfes Bild mehr.

Bei einer Kamera kommt natürlich keine einzelne Linse zum Einsatz sondern ein Objektiv, das je nach Bauart und Brennweite meistens aus 4 bis 16 einzelnen Linsen besteht. Aber egal wie kompliziert dieses auch aufgebaut sein mag, besitzt es immer eine Hauptebene* und wirkt wie eine einzelne, allerdings mehr oder weniger ideale Linse. Objektive für Kleinbildkameras bestehen neben den Linsen immer aus einer Einstellvorrichtung, mit der die Lage der Hauptebene zur Schärfe- sprich Aufnahmeebene verändert werden kann. Bei normalen Objektiven mit fester Brennweite wird üblicherweise das gesamte Linsenpaket weg von der Aufnahmeebene bewegt, bei solchen mit Innenfokusierung ändert sich die Hauptebene durch Änderung der Position einzelner Linsengruppen im Objektiv, ohne daß die Fronlinse sich bewegt. Der Einstellbereich ist so bemessen, daß er für ganz normale Aufnahmen ausreicht. Für Makroaufnahmen reicht er jedoch nicht aus. Und genau hier kommt das nachfolgend beschriebene Nahaufnahmezubehör ins Spiel.

* Es ist richtig, daß es sich nach einem komplexeren Modell um zwei Hauptebenen handelt, die mehr oder weniger weit voneinander entfernt sind. Für das Verständnis der Makroaufnahmeproblematik reicht jedoch das einfache Modell, bei der beide Hauptebenen zu einer zusammenfallen, völlig aus. Die Berücksichtigung von zwei Hauptebenen bringt im Vergleich dazu keinen weiteren Erkenntnisgewinn.


Nahlinsen

Die einfachste Weise, mit einem vorgegebenen Objektiv Nahaufnahmen machen zu können, ist seine Brechkraft zu erhöhen, damit der mechanische Einstellbereich des Objektivs auch bei kurzen Objektabständen noch ausreicht. Dies kann man leicht mit einer Zusatzlinse bewerkstelligen, die man ins Filtergewinde einschraubt. Man verpaßt dem Objektiv sozusagen eine Lesebrille. Erhältlich sind solche Linsen sowohl von Filterherstellern als auch oft von Kameraherstellern. Sie sind in unterschiedlicher Stärke erhältlich, wobei ihre Brechkraft zwischen 0,5 und 10 Dioptrien beträgt. Anhand der Dioptrienzahl kann man übrigens leicht die Brennweite der Vorsatzlinse durch Kehrwertbildung ausrechnen. 0,5 Dioptrien entsprechen 1 / 0,5 = 2 m Brennweite. Allerdings verschlechtert sich durch Einsatz einer Zusatzlinse die Abbildungsqualität ziemlich stark, weil eine einzelne Linse starke Bildfehler nach sich zieht. Nicht ohne Not besteht ein Objektiv ja aus mehreren Linsen statt nur einer einzigen. Sogenannte achromatische Linsen, die aus einer Sammel- und einer Zerstreuunglinse bestehen, die miteinander verkittet sind, sind geringfügig besser, was auch auf Objektivvorsätze mit mehreren Linsen zutrifft. Die Bildqualität leidet jedoch hierbei immer.

Bild 3:
Nahlinse

Mit Zoomobjektiven sind Nahlinsen oft nicht verwendbar, was sich darin äußert, daß sich "hot spots" bilden, d.h. daß die Bildmitte heller abgebildet wird als der Rand. Im Sucher sieht man dies leider nur sehr begrenzt. Am besten geeignet sind Objektive mit einer festen Brennweite zwischen ca. 50 und 135 mm.

Ein Sonderfall einer Nahlinse ist ein ganz normales Kameraobjektiv. Ja, Sie lesen richtig! Ein Objektiv ist schließlich das besonders gut korrigierte Pendant einer einfachen Linse. Die Brennweite darf hierbei nicht zu kurz sein, da sonst einerseits die Brechkraft zu groß ist (ein 100-mm-Objektiv besitzt eine Brechkraft von immerhin 10 Diotrien) und andererseits bei Weitwinkelobjektiven durch die Retrofokuskonstruktion zudem "hot spots" auftreten, so daß man hierfür keine Objektive mit weniger als 50 mm Brennweite verwenden sollte. Die Befestigung erfolgt durch spezielle Kupplungsringe am Aufnahmeobjektiv. Das als Nahlinse verwendete Objektiv wird sozusagen verkehrt herum verwendet und mit seinem Filtergewinde mit Hilfe des Kupplungsrings, den man als Zubehör kaufen kann, ins Filtergewinde des Aufnahmeobjektiv geschraubt. Die damit erzielbare Bildqualität ist deutlich besser als bei einfachen Linsen oder Vorsätzen. Wichtig ist, daß der Linsendurchmesser des Vorsatzobjektivs relativ groß ist und das Aufnahmeobjektiv stark abgeblendet wird, damit sich keine Vignetierung ergibt. Die vom Aufnahme- und vom Vorsatzobjektiv hervorgerufenen Bildfehler (Schärfe, Kontrast, Verzeichnung etc.) addieren sich hierbei, so daß die Bildqualität natürlich nicht optimal ist. Für erste Versuche mit der Makrofotografie ist sie jedoch durchaus ausreichend.


Zwischenringe

Mit Zwischenringen vergrößert man den Abstand zwischen Objektiv und Kamera und erweitert damit den mechanischen Einstellbereich der Objektive zugunsten kürzerer Aufnahmedistanzen. Üblicherweise sind solche Zwischenringe als Dreiersatz mit unterschiedlicher Dicke erhältlich. Man verwendet sie einzeln oder auch zusammen. Wenn Sie Zwischenringe verwenden, die ohne zusätzlichen Adapter zu Ihrer Kamera passen, funktionieren sowohl alle Belichtungsautomatiken wie auch ggf. der Autofokus. Sie können damit also so fotografieren, als ob Sie ein Objektiv mit kürzerer Naheinstellgrenze besäßen. Die Verwendung in der Praxis ist sehr einfach: Kameraobjektiv demontieren, dünnsten Zwischenring an der Kamera befestigen und das Objektiv wieder montieren. Reicht der Einstellbereich nicht aus, demontieren Sie den Zwischenring wieder und verwenden den nächst dickeren usw., bis Sie im gewünschten Maßstab ein scharfes Bild erhalten.

 
Bild 4: Zwischenringe (einzeln sowie zusammengesteckt)

Mit Zwischenringen nicht verwenden sollten Sie Zoomobjektive und Weitwinkelobjektive. Hierbei kommt es fast immer zu "hot spots", d.h. einer aufgehellten Bildmitte, was durch die optische Konstruktion dieser Objektive hervorgerufen wird. Objektive mit fester Brennweite von 50 mm oder mehr sind hingegen optimal. Bei großen Abbildungsmaßstäben können Sie zur Verbesserung der Bildqualität das Objektiv mittels eines Umkehrrings umdrehen. Normale Aufnahmeobjektive sind nämlich so gerechnet, daß der Abstand zwischen Frontlinse und Motiv groß und von Hinterlinse zum Film klein ist. Bei Nahaufnahmen ist jedoch mitunter der Abstand zum Motiv kleiner als der zum Film. Durch Herumdrehen stellt man wieder die Verhältnisse her, die dem Objektiv am besten behagen, nämlich daß der größere Abstand an der Frontlinse (sprich der Seite mit dem Filtergewinde) herrscht. Allerdings verliert man dadurch nicht nur sämtliche Automatiken außer der Belichtungsautomatik, sondern auch das automatische Schließen der Blende, denn die Anschlüsse und Übertragungsmechanismen liegen ja nun auf der anderen Seite in der Luft. Zur weiteren Erhöhung der Bildqualität kann man stattdessen auch Vergrößerungsobjektive verwenden, wie unter den Balgengeräten beschrieben. Hierfür benötigt man in Ermangelung eines Adapters von M39, dem üblichen Schraubgewinde von Vegrößerungsobjektiven, auf das Kamerabajaonett zwei ineinandergeschraubte Adapter, nämlich einen von M39 auf M42 sowie einen weiteren von M42 auf das Kamerabajonett. M39 auf T2 plus T2 auf Kamerabajonett funktioniert ebenfalls und hat gegenüber der M42-Variante den Vorteil, daß die Montage und Demontage eines T2-Adapters viel einfacher zu handhaben ist als die eines M42-Adapters.


Balgengerät

Wenn Sie öfters Nahaufnahmen machen, und vor allem wenn Sie große Abbildungsmaßstäbe benötigen wie auf dem Bild links, werden Sie um ein sogenanntes Balgengerät kaum herumkommen. Im Prinzip besteht dieses aus zwei beweglichen Standarten, die mit einem Balgen (daher der Name) lichtdicht miteinander verbunden sind. An einer Standarte wird das Objektiv befestigt, an der anderen das Kameragehäuse. Der Abbildungsmaßstab kann daher stufenlos eingestellt werden. Der maximale Abbildungsmaßstab ist sehr hoch, weil der Auszug (so nennt man den Abstand zwischen den beiden Standarten) sehr groß ist - viel größer als bei Verwendung von Zwischenringen. Und sollte dies immer noch nicht ausreichen, können Sie sogar Ihre mit Zwischenringen bestückte Kamera ans Balgengerät anschließen. Damit kommt man jedoch langsam aber sicher von der Makrofotografie zur Mikrofotografie, d.h. eigentlich der Domäne von Mikroskopen.

 
Bild 5: Balgengerät auf Stativ

Dem Verlust einiger Kameraautomatiken (Zeitautomatik bleibt erhalten) stehen eine große Flexibilität und ein hoher möglicher Abbildungsmaßstab gegenüber. Als Objektiv verwendet man idealerweise kein Kameraobjektiv sondern einen Makrokopf oder, wie in Bild 5 zu sehen, ein Vergrößerungsobjektiv, das zudem wegen der bauartbedingt unaufwendigen Mechanik (feststehende Linsen ohne Entfernungseinstellmöglichkeit) recht preisgünstig zu haben ist. Ein Makrokopf ist ein speziell auf den Nahbereich gerechnetes Objektiv, dem die mechanische Möglichkeit zur Entfernungseinstellung fehlt, da diesen Part ohnehin das Balgengerät übernimmt, so daß man diese nicht doppelt vorsehen muß. Auch Vergrößerungsobjektive sind speziell für kurze Abstände gerechnet und daher ebenfalls bei Makroaufnahmen Kameraobjektiven weit überlegen. Abgesehen von der besseren Abbildungsleistung im Nahbereich ist das Bildfeld eben, so daß plane Gegenstände auch bei offener Blende immer scharf bis an den Rand abgebildet werden. Bei normalen Aufnahmeobjektiven ist das Bildfeld hingegen gewölbt, so daß bei Scharfeinstellung auf die Mitte der Rand unscharf ist oder umgekehrt. Zudem besitzen Makroköpfe und Vergrößerungsobjektive eine extrem geringe Verzeichnung, so daß Reproduktionen von von Gegenständen mit geraden Linien/Kanten am Bildrand nicht verzerrt wiedergegeben werden.

Falls Ihr Vergrößerungsobjektiv mit einer Leuchtblende ausgestattet ist, müssen Sie sie mit schwarzem Klebeband abkleben; denn wo Licht austreten kann, kommt auch unerwünschtes Licht herein. Mit einem Adapterring kann man die Vergrößerungsobjektive mit M39-Gewinde an üblichen Balgengeräten mit M42-Gewinde verwenden. Im ersten Moment ist es ungewohnt, daß Sie nur noch mit Arbeitsblende arbeiten können, d.h. daß sich die Blende beim Auslösen nicht wie gewohnt auf einen vorgewählten Blendenwert schließt. Vielmehr wird bei offener Blende scharfgestellt, die Blende manuell auf den gewünschten Wert geschlossen und dann erst ausgelöst. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, stellt dies aber absolut kein Problem dar. Das Stativ richtig zu plazieren, den richtigen Bildausschnitt zu finden und die Schärfe präzise einzustellen, dauert ohnehin einige Zeit, so daß dieser zusätzliche Handgriff nach meiner Erfahrung überhaupt nicht ins Gewicht fällt. Mit einer Brennweite von 50 mm ergibt sich bei vollem Auszug eine ziemlich große Vergrößerung, aber gleichzeitig leider auch ein kleiner Abstand zum Objekt. Dies kann unerwünschte Schatten (erzeugt durch Objektiv bzw. Balgengerät) auf das Motiv werfen oder aber die Fluchtdistanz kleiner Tiere unterschreiten. Mit handelsüblichen Vergrößerungsobjektiven der Brennweiten 80, 90 oder 105 mm kann man diese Distanz zu Lasten der maximalen Vergrößerung erhöhen.

Alles was Sie benötigen, ist ein M42-Balgengerät mit Adapter für Ihre Kamera, das gebraucht mitunter extrem preiswert zu haben ist, und ggf. ein ebenso preiswertes Vergrößerungsobjektiv samt Adapterring von M39 (bei Vergrößerungsobjektiven übliches Gewinde) auf M42; für diesen Zweck möglichst ohne Leuchtblende. Wichtig ist ein Einstellschlitten, denn aufgrund der großen Abbildungsmaßstäbe können Sie außer bei Verwendung eines Blitzgeräts nicht mehr aus der Hand fotografieren, sondern müssen ein Stativ verwenden. Statt für kleine Entfernungsanpassungen das Stativ zu bewegen, was nur schwer zentimetergenau zu bewerkstelligen ist, können Sie den Abstand der ganzen Einheit bestehend aus Balgengerät, Objektiv und Kameragehäuse zum Objekt stufenlos und schnell verstellen.

 
Bild 6: Einstellbereich des Einstellschlittens
(man beachte die Position der Stativbefestigung ganz unten im Bild)

Es gibt auch spezielle Balgengeräte, die das automatische Schließen der Blende beim Auslösen auf einen vorgewählten Wert ermöglichen, was bei Verwendung von Makroköpfen mit Springblende ein sehr bequemes Arbeiten zuläßt. Dies geschieht entweder über einen Doppeldrahtauslöser oder über eine in das Balgengerät integrierte Mechanik (Novoflex bzw. Zubehör vom Kamerahersteller) und ist der Königsweg für die Makrofotografie. Leider sind Balgengeräte mit integrierter Springblendenmechanik neu extrem teuer. Hinzu kommen spezielle Objektivköpfe, die im Gegensatz zu Vergrößerungsobjektiven eine eingebaute Springblende besitzen und leider nicht gerade durch niedrige Preise auffallen. Für ein Set bestehend aus einem automatischen Balgengerät plus einem Objektivkopf müssen Sie neu schon fast 1000 Euro ausgeben. Allerdings kann man diese Gerätschaften über eine  Online-Auktion mit ein wenig Geduld zu einem Bruchteil dieses Preises erwerben. M42-Balgengeräte plus ein Vergrößerungsobjektiv, das Sie vielleicht ohnehin schon besitzen, sind hingegen vom Preis-/Leistungsverhältnis absolut unschlagbar - vor allem, wenn man auch sie gebraucht kauft. Aufgrund des ohnehin einigermaßen zeitaufwendigen Aufbaus, bei dem das Schließen der Blende nur einer von vielen Handgriffen darstellt, sind M42-Balgengeräte absolut ausreichend, vor allem wenn sie mit einer soliden mechanischen Konstruktion aufwarten können.

Vergrößerungsobjektive werden von verschiedenen Herstellern angeboten, von denen die in Deutschland bekanntesten Rodenstock und Schneider sind. Üblich sind Vergrößerungsobjektive mit 3, 4 oder 6 Linsen; 5-Linser sind selten. Mit einem 3-Linser sollten Sie sich keinesfalls zufriedengeben, da solche Objektive technisch bedingt nur unzureichend korrigiert sind. Mit einem 4-Linser, der aufgrund seines symmetrischen Aufbaus bestens korrigiert ist, sind jedoch bereits sehr gute Resultate zu erzielen. Die Lichtstärke ist nicht sehr wichtig, da ohnehin fast immer ganz abgeblendet wird. Eine hohe Lichtstärke hat allerdings ein helleres Sucherbild fürs Einstellen zur Folge. Die Krone sind 6-Linser, insbesondere wenn sie apochromatisch korrigiert sind. Allerdings hat vor einigen Jahren ein Test in der Zeitschrift fotomagazin bestätigt, daß das preiswerte 4-linsige Modell Anaret des tschechischen Herstellers Meopta, bis dahin Geheimtip in Fotolaborkreisen, den meisten, wesentlich teureren 6-Linsern mindestens ebenbürtig war und nur von den APO-Modellen geschlagen wurde. Im örtlichen Fotohandel werden Sie Objektive dieses Herstellers möglicherweise nicht bekommen aber im Versandhandel (siehe  Foto-Links).


Makroobjektiv

Statt die o.g. Zubehörteile zu verwenden, kann man auch Spezialobjektive verwenden, die einerseits das Scharfstellen auf sehr nahe Objekte ermöglichen, andererseits wie Vergrößerungsobjektive für kleine Abstände ausgelegt sind. Erhältlich sind sie für das Kleinbildformat mit Brennweiten von meistens 50 oder 100 mm. Links dargestellt ist ein Makroobjektiv mit 50 mm Brennweite mit Entfernungsenstellung unendlich (oben) sowie mit maximalem Auszug für eine 1:1-Abbildung (unten). Makroobjektive haben den Vorteil, daß sämtliche Kameraautomatiken (ggf. inclusive Autofocus) erhalten bleiben. Der Einstellbereich ist meistens so ausgelegt, daß man damit maximal einen Abbildungsmaßstab von 1:1 erreichen kann. In manchen Fällen kann man den Bereich zwischen 1:2 und 1:1 nur durch eine eine im Lieferumfang enthaltene Vorsatzlinse erreichen. Im Gegensatz zu ganz normalen Nahlinsen ist diese jedoch in der Objektivrechnung bereits berücksichtigt und wirkt sich daher kaum qualitätsmindernd aus, aber die Brennweite reduziert sich dadurch auf die Hälfte. Praktischer ist ein Makroobjektiv, das man stufenlos und ohne Aufschrauben einer Zusatzlinse von Entfernungseinstellung Unendlich bis zum Maßstab 1:1 einstellen kann. Dieses hat zudem den Vorteil, daß auch bei maximalem Auszug der Abstand zum Objekt doppelt so groß wie bei Verwendung einer Vorsatzlinse ist.

Hergestellt werden solche Makroobjektive sowohl von den Kameraherstellern als auch reinen Objektivherstellern. Allen gemeinsam ist leider, daß sie alles andere als billig sind. Aber nicht in jedem Objektiv, auf dem Makro steht, ist auch Makro drin: Es gibt kaum ein Zoom-Objektiv, das nicht auch werbewirksam als Makroobjektiv angeboten wird. Die von solchen Objektiven erreichten Abbildungsmaßstäbe von 1:10 bis maximal 1:4 kann man aber nicht wirklich als Makro bezeichnen. Zudem läßt die Abbildungsqualität in diesem Betriebsmodus stark zu wünschen übrig, da hierfür so gut wie immer optische Tricks angewandt werden, die man normalerweise aus gutem Grund meidet wie der Teufel das Weihwasser. Echte Makroobjektive haben ausnahmslos eine feste Brennweite und sind speziell für den Nahbereich ausgelegt. Ihre Lichtstärke ist meistens geringer als diejenige vergleichbarer "normaler" Objektive, was auch auf die Abbildungsqualität bei voll geöffneter Blende zutrifft. Da bei Makroaufnahmen fast immer so weit wie möglich abgeblendet wird, ist dies jedoch nicht wichtig.

Sollte der maximale Abbildungsmaßstab von 1:1 immer noch nicht ausreichen, kann man Makrozubehör auch miteinander kombinieren. Im Falle eines Makroobjektivs kann man zur weiteren Verlängerung des Auszugs sowohl Zwischenringe als auch ein Balgengerät verwenden. Speziell ein Balgengerät ermöglicht gigantische Auszüge, so daß Objekte deutlich größer als in Originalgröße auf dem Film abgebildet werden. In Verbindung mit der ohnehin stattfindenden Vergrößerung beim Erzeugen eines Papierbildes oder gar bei der Abbildung eines Dias auf einer Leinwand ergeben sich riesige Vergrößerungsmaßstäbe. Sofern Sie über ein Balgengerät mit Blendenübertragungsmechanismus verfügen, bleibt dabei sogar die Funktion der Springblende erhalten.
Bild 7: Makroobjektiv 100 mm plus Balgengerät

Wenn man statt des dargestellten Makroobjektivs mit 100 mm Brennweite eines mit 50 mm verwendet, vergrößert sich der Abbildungsmaßstab noch weiter; allerdings ist dann der Objektabstand kleiner.


Makroaufnahmen erstellen

Mit dem o.g. Nahaufnahmezubehör kann man, ggf. abgesehen vom Verlust einiger gewohnter Automatiken, grundsätzlich fotografieren wie mit einem ganz normalen Objektiv. Auch bei Makroaufnahmen muß man lediglich den Bildausschnitt wählen, scharfstellen und ggf. nach Schließen der Blende auslösen. Allerdings ergeben sich durch die nahe Distanz einige Eigenheiten, die man berücksichtigen muß.

Die erste Eigenheit ist, daß sich das Objektiv sehr nah am zu fotografierenden Objekt befindet. Daher muß man darauf achten, daß das Objektiv keine unerwünschten Schatten wirft. Die zweite Eigenheit ist, daß die Schärfentiefe im Nahbereich sehr gering ist, wodurch man gezwungen ist, stark abzublenden. Normalerweise stellt man die kleinste Blende (d.h. den größten Blendenwert) ein, die das Objektiv bietet. Ganz zwangsläufig ergeben sich dadurch sehr lange Belichtungszeiten. Durch den großen Abbildungsmaßstab ist die Faustregel, daß für verwacklungsfreie Aufnahmen die Belichtungszeit kürzer als 1 : Brennweite sein muß, nicht mehr gültig. Die Belichtungszeit müßte vielmehr ganz bedeutend kürzer als dieser Wert sein. Makroaufnahmen sind daher aus der Hand nicht möglich - es sei denn, Sie verwenden ein Blitzgerät. Aber schon aus einem anderen Grund werden Sie kaum um die Verwendung eines soliden Stativs herumkommen; die Schärfentiefe ist selbst voll abgeblendet derart gering, daß es schwierig ist, den Abstand zum Objekt millimetergenau einzuhalten.

Die Standardvorgehensweise wird daher sein, die Kamera samt Nahaufnahmezubehör auf einem Stativ zu befestigen und im richtigen Abstand zum zu fotografierenden Objekt zu postieren. Meistens muß man mehrfach den Abstand leicht verändern, damit der Bildausschnitt einerseits und die Schärfe andererseits stimmen. Dies läßt sich mit einem Balgengerät mit Einstellschlitten problemlos schnell und präzise bewerkstelligen, während man sich ohne Einstellschlitten ziemlich schwertut, das Stativ millimtergenau zu verschieben. Danach blendet man voll ab und belichtet. Die Belichtungssteuerung sollten Sie der Kamera überlassen (Zeitautomatik), da diese automatisch den Lichtverlust durch den langen Auszug (die Intensität sinkt quadratisch mit der Auszugslänge) berücksichtigt. Starke Dauerlichtquellen wie z.B. Glühlampen heizen das zu fotografierende Objekt oft unzulässig auf. Blitzlicht ist hingegen nahezu ideal. Voraussetzung ist allerdings, daß man die Lichtquelle frei bewegen kann, damit man sie lichttechnisch günstig plazieren kann, was nur auf Stabblitzgeräte zutrifft. Richtig Sinn macht die Verwendung nur dann, wenn man mit Blitz-TTL-Steuerung arbeitet, da man sonst die Auszugsfaktoren manuell bestimmen und berücksichtigen muß.

Bild 8: Mit Blitzgerät beleuchtete moderate Makroaufnahme

Durch die Beleuchtung des Objekts aus unmittelbarer Nähe folgt eine weitere Eigenheit von typischen Makroaufnahmen: Der normalerweise deutlich weiter entfernte Hintergrund wird nicht mit ausgeleuchtet, so daß er selbst bei Aufnahmen am Tag auf dem Foto absolut schwarz wiedergegeben wird wie in Bild 8. Im Normalfall ist dies durchaus erwünscht, weil er nicht vom Motiv ablenkt. Wünschen Sie einen hellen Hintergrund, können Sie ihn z.B. mit einem weiteren Blitzgerät, das als nahe am Hintergrund postierter Slave-Blitz automatisch ausgelöst wird, geeignet aufhellen. Dieser Slave-Blitz muß über einen eingebauten "Computer" verfügen, der so eingestellt sein muß, daß er auf denjenigen Blendenwert richtig belichtet, der am Objektiv eingestellt ist.
  

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