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Inhalt:
Allgemeines
Bauarten und Bildwinkel
Weitwinkelzooms
Einsatz in der Praxis
Besondere Eigenschaften
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Superweitwinkel 14mm

Bild 1: Superweitwinkel 14 mm


Allgemeines

Als Weitwinkelobjektiv bezeichnet man im physikalisch korrekten Sinn Objektive mit einem Bildwinkel, der größer ist als der eines Standardobjektivs, d.h. mit einer Brennweite von weniger als 50 mm beim Kleinbildformat. In Fotokreisen gilt die nächstkürzere Festbrennweite (35 mm) jedoch nicht wirklich als Weitwinkelobjektiv sondern eher als alternatives Standardobjektiv. Der Sinn von Weitwinkelobjektiven liegt entgegen der weitverbreiteten Ansicht nicht nur darin, bei gleichem Objektabstand mehr aufs Bild zu bringen, sondern vor allem ergibt sich eine besondere Darstellung von räumlicher Tiefe: Entferntes wird noch entfernter dargestellt wie in der Realität, wodurch sich eine deutliche und zuweilen übertriebene Tiefenstaffelung ergibt. Nachfolgend erfahren Sie, welche Arten von Weitwinkelobjektiven es gibt, wie man sie einsetzt und welche Probleme es hierbei gibt.


Bauarten und Bildwinkel von Weitwinkelobjektiven

Übliche Weitwinkelobjektive kann man von außen kaum von Standardobjektiven unterscheiden. Sie sind ähnlich groß und besitzen auch sonst keine wesentlichen Unterscheidungsmerkmale. Ihr Innenleben unterscheidet sich bei Weitwinkelobjektiven für Spiegelreflexkameras jedoch ganz erheblich von Standardobjektiven, denn es handelt sich, zumindest bei den kurzen Brennweiten, um sogenannte Retrofokusobjektive. Die Ursache liegt darin, daß die Brennweite eines Objektivs auch gleichzeitig den Abstand zum Film bei Entfernungseinstellung auf Unendlich angibt. Bei kurzen Brennweiten ist dieser Abstand so kurz, daß die Hinterlinse des Objektivs weit im Kameragehäuse stecken müßte, wo es den Schwenkspiegel einer Spiegelreflexkamera blockieren würde. Bei den ersten Spiegelreflexkameras mußte man in der Tat den Schwenkspiegel hochklappen, um ein Weitwinkelobjektiv mit kurzer Brennweite montieren zu können. Dadurch war gleichzeitig der Sucher außer Funktion, so daß man sich mit einem primitiven Aufstecksucher in der Bauart wie bei einer Sucherkamera behelfen mußte. Um die Vorteile einer Spiegelreflexkamera, nämlich daß man immer im Sucher das sieht, was auch auf dem Film landet, auch bei Verwendung kurzbrennweitiger Weitwinkelobjektive zu erhalten, kommt das Retrofokusprinzip zum Einsatz. Durch speziell geformte Linsen und vor allem durch Verwendung einer zusätzlichen Zerstreuungslinse als erstes Linsenelement vor dem eigentlichen Objektiv gelingt es, die Hinterlinse so weit nach vorne zu verlegen, daß sie dem Spiegel nicht im Weg ist. Nachteilig dabei ist, daß der Durchmesser der Frontlinse nicht nur von der Lichtstärke abhängt sondern auch davon, um wieviele Millimeter die Hinterlinse nach vorne verlagert werden muß. Trotz riesiger Frontlinsen sind daher Superweitwinkelobjektive deutlich lichtschwächer als Standardobjektive.

Weitwinkelobjektive mit 35 und 28 mm sind typische Objektive, um bei vorgegebenem Objektabstand mehr aufs Bild zu bringen. Der echte Weitwinkelbereich beginnt nach der Auffassung vieler Fotografen bei 28 mm, bei der die Weitwinkelwirkung allerdings noch stark zurückhaltend zum Vorschein kommen. Die weitwinkeltypische Bildwirkung ist bei 24 mm bereits deutlich ausgeprägt und nimmt mit kürzerer Brennweite immer weiter zu. Als nächstkürzere Festbrennweite sind Objektive mit 21 und 20 mm üblich, wobei man langsam in den Bereich der Superweitwinkelobjektive kommt. Wo genau die Grenze ist, ist nicht genau festgelegt. Handelsüblich sind Objektive mit 19, 18, 17, 15 und sogar 14 mm. Bei den extrem kurzen Brennweiten muß man aufpassen, daß man nicht ungewollt eines der  Fish-Eye-Objektive erwischt, die es mit 15, 16 und 17 mm gibt. Die Superweitwinkel mit 17, 15 und 14 mm sind hinsichtlich Verzeichnung voll korrigiert und haben nicht die typische, starke Verzeichnung von Fish-Eye-Objektiven, besitzen aber einen deutlich geringeren Bildwinkel als diese. Aufgrund des aufwendigeren Aufbaus ist ein Superweitwinkelobjektiv mit 14 oder 15 mm Brennweite fast immer deutlich teurer als das Fish-Eye des gleichen Herstellers (sofern er ein solches im Programm hat).
Weitwinkel 28mm Superweitwinkel 20mm Superweitwinkel 14mm
Weitwinkel 2,8/28 mmSuperweitwinkel 2,8/20 mmSuperweitwinkel 3,5/14 mm

Bild 2: Vergleich von Weitwinkelobjektiven verschiedener Brennweite

Bei Weitwinkelobjektiven gilt nicht die Faustregel, daß der Durchmesser der Frontlinse ungefähr dem Quotienten aus Brennweite und kleinstem einstellbaren Blendenwert entspricht d.h. bei gleicher Lichtstärke mit kürzerer Brennweite abnimmt. Vielmehr wird bei Retrofokusobjektiven bei gleichbleibender Lichtstärke die Frontlinse bei abnehmender Brennweite immer größer, weil man die Hinterlinse durch den Trick mit der Zerstreuungslinse vor dem eigentlichen Objektiv mit abnehmender Brennweite immer weiter nach vorne verlagern muß, damit sie dem Spiegel nicht im Weg ist. Diese Zerstreuungslinse sitzt dabei wie eine Brille vor dem eigentlichen Objektiv. Je größer der Bildwinkel ist, desto größer muß bei gleichem Abstand vom eigentlichen Objektiv die Zerstreuungslinse sein. Dies ist auf den Bildern oben leicht ersichtlich. Bei gleicher Lichtstärke 1:2,8 ist die Frontlinse des 20-mm-Objektivs deutlich größer als die des 28-mm-Objektivs. Obwohl das 14-mm-Objektiv mit 1:3,5 eine halbe Blende lichtschwächer ist, ist seine Frontlinse riesig groß und zudem sehr stark gewölbt.

Boote am Strand

Bild 3: Boote am Strand von Hammamet/Tunesien 2004 (Superweitwinkel 18 mm)


Je kürzer die Brennweite ist, desto stärker ist zudem der Lichtabfall in den Bildecken, was sich besonders in einfarbigen Flächen bemerkbar macht - in(Bild 3) ist dies vor allem in den Bildecken im Himmel zu erkennen. Man nennt diesen Effekt natürliche Vignettierung. Er ist darin begründet, daß von vorne betrachtet die Lichteintrittsfläche sprich die Frontlinse kreisrund erscheint. Bei Superweitwinkelobjektiven trifft das Licht, das in den Bildecken landet, aus einem großen Winkel seitlich auf das Objektiv. Aus diesem Blickwinkel erscheint die Frontlinse jedoch nur wie eine schmale Ellipse. Die Lichteintrittsfläche ist daher viel kleiner als aus frontaler Sicht, und entsprechend ist die Lichtmenge, die in den Bildecken landet, viel kleiner. Der Lichtverlust kann durchaus mehr als 2 Blendenwerte ausmachen. Um den Lichtverlust in Grenzen zu halten, ist bei extremen Weitwinkelobjektiven die Frontlinse oft stark gewölbt, da dann die Lichteintrittsfläche bei seitlichem Lichteinfall nicht so stark abnimmt wie bei einer wenig gewölbter Frontlinse. In seltenen Fällen sind für Extremweitwinkel sogenannte Center-Verlauffilter erhältlich, bei denen sich in der Mitte ein Graufilter befindet, das stufenlos zum Rand hin klar wird, um den Lichtverlust in den Ecken zu kompensieren. Solche nur für Mittelformat- bzw. Großformatobjektive verfügbaren Spezialfilter kosten jedoch mehr, als viele Leute für ein normales Objektiv zu bezahlen bereit sind.


Weitwinkelzooms

Lange Zeit konnte man nur Zoomobjektive mit einer Anfangsbrennweite von minimal 28 mm kaufen. Mittlerweile gibt es auch Weitwinkelzoomobjektive, auch kurz Weitwinkelzooms genannt, die deutlich kürzere Brennweiten aufweisen. Zwei populäre Brennweitenbereiche sind 21-35 mm und 18-28 mm. Zwar haben sich in anderen Brennweitenbereichen Zoomobjektive auf breiter Front durchgesetzt, aber der Superweitwinkelbereich hat leider eigene Gesetze, die die Verwendungsfähigkeit von Zoomobjektiven stark einschränkt. Superweitwinkelobjektive haben schon als Festbrennweiten viele Probleme hinsichtlich Lichtabfall in den Bildecken, tonnenförmiger Verzeichnung und Streulichtempfindlichkeit. Zudem nimmt die Brillianz zum Rand hin drastisch ab. In Punkto Bildqualität kann selbst das allerbeste Superweitwinkelobjektiv mit einem durchschnittlichen Standardobjektiv, das weniger als ein Zehntel kostet, nicht im Entferntesten mithalten.

Bei Zoomobjektiven potenzieren sich leider diese Probleme. Dies macht Weitwinkelzooms nicht komplett unbenutzbar, aber man sollte sich vor dem Kauf dessen bewußt sein, daß solche Objektive relativ große Macken haben. Man sollte vor dem Kauf unbedingt einige Testaufnahmen machen und zum Vergleich das gleiche Motiv mit je einer Festbrennweite aufnehmen, die der kürzesten und der längsten Brennweite des ins Auge gefaßten Zoomobjektivs entspricht. Es genügt übrigens keineswegs, im Laden kurz durch den Sucher der Kamera zu schauen. Man sollte vielmehr Aufnahmen im Freien bei Sonnenschein machen und die fertigen Fotos zum Vergleich heranziehen. Es ist durchaus eine Überlegung wert, ob es unbedingt ein Zoomobjektiv sein muß. Mitunter erfüllt ein Objektiv mit Festbrennweite, das der kürzesten Brennweite des geplanten Zoomobjektivs entspricht, den gleichen Zweck und bietet eine bessere Bildqualität. Denn oft werden Zoomobjektive geradezu mißbraucht, indem entweder die kürzeste, die längste oder vielleicht noch die mittlere Brennweite benutzt wird.

Bild 3 ist übrigens im Urlaub mit einem Zoomabjektiv mit einer Brennweite von 18-28 mm in der Einstellung 18 mm entstanden. Wie man leicht sieht, ist der Lichtabfall in den Bildecken heftig (vergleichen Sie es einmal mit dem eines guten Fish-Eye-Objektivs, siehe Seite  Fish-Eye-Objektive). Die anderen Bildfehler sind bei dem recht klein dargestellten Bild weit weniger auffällig als "in natura" auf einem Fotoabzug. Aus guten Gründen wurde dafür gesorgt, daß die Sonne sich fernab des Bildausschnitts befand. Wenn die Sonne zwar nicht auf dem Bild sichtbar ist, aber die Frontlinse von ihr angestrahlt wird, sorgt dies für starkes Streulicht, was aussieht, als ob man ein wenig Milch auf das Bild geschüttet hätte. Dies alleine macht Aufnahmen nahezu unbrauchbar. Ist die Sonne mit auf dem Bild, entstehen zusätzlich noch starke Blendenreflexe, was die Aufnahmen endgültig versaut. Trotzdem ist dieses Objektiv auf Reisen aus Platz- und Gewichtsgründen bei mir sehr oft dabei.


Einsatz in der Praxis

Gemäßigte Weitwinkel mit 35 und 28 mm Brennweite kann man fast ungeschoren für das vielbesagte Mehr auf dem Bild verwenden, ohne daß es auf den ersten Blick auffällt, daß ein Weitwinkelobjektiv verwendet wurde. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn man das Objektiv möglichst waagerecht hält und auch keine extremen Aufnahmepositionen (z.B. nah am Boden) einnimmt. Sie sind bei beengten Räumlichkeiten daher erste Wahl.

Weitwinkeltypische Aufnahmen gelingen bei 24 und 20 mm Brennweite. Zudem ist die Schärfentiefe selbst bei voll geöffneter Blende enorm groß. Die Tiefenstaffelung nimmt gegenüber dem Standardobjektiv schon deutlich zu, d.h. entfernte Objekte werden überproportional verkleinert abgebildet, so daß sich der Eindruck von Weite ergibt, der in der Realität in dieser Form überhaupt nicht gegeben ist. Bei Landschaftsaufnahmen verstärkt ein groß aufgenommener Vordergrund die Wirkung. Dies erreicht man vorzugsweise dadurch, daß man nicht im Stehen fotografiert, sondern in die Hocke geht oder sich sogar auf den Boden legt. Vordergrund und weit entfernte Objekte wie z.B. Wolken werden gleichzeitig scharf wiedergegeben, wenn man ausreichend stark abblendet.

Bei noch geringerer Brennweite wie z.B. 18 und 17 mm nimmt der Bildwinkel und die weitwinkeltypische Tiefenstaffelung noch weiter zu. Das untere Ende stellt das 14-mm-Objektiv dar, das einen horizontalen Bildwinkel von ca. 114° besitzt, und zwar ohne die starke tonnenförmige Verzeichnung wie beim Fish-Eye. Diese extremen Weitwinkelobjektive muß man sehr mit Bedacht einsetzen. Es gelingt mit ihnen zwar, Innenaufnahmen mit dem berühmten "Mehr auf dem Bild" zu erstellen, ohne daß der Einsatz eines Superweitwinkels auf den ersten Blick ersichtlich ist, jedoch muß man die Kamera und damit das Objektiv absolut waagerecht ausrichten. Will man mehr Boden oder Decke auf dem Bild haben, muß man den Kamerastandpunkt erniedrigen bzw. erhöhen. Kippt man hingegen wie bei längerbrennweitigen Objektiven gewohnt die Kamera nach oben oder unten, ergeben sich stürzende Linien, an denen man sofort ein Weitwinkelfoto erkennen kann.

Landschaftsaufnahme (Superweitwinkel 14 mm)

Bild 4: Landschaftsaufnahme (Superweitwinkel 14 mm)


Die eigentliche Domäne von Superweitwinkelobjektiven ist jedoch die Landschaftsfotografie. Typische Aufnahmen betonen durch nahes Herangehen (d.h. Auf-den-Boden-legen) den Vordergrund und beziehen den strahlend blauen Himmel mit interessanten Wolkenstrukturen mit ein. Je größer der Bildwinkel ist, desto höher ist normalerweise die Empfindlichkeit gegenüber Streulicht. Zudem bilden sich oft Blendenreflexe, wenn die Sonne oder eine andere starke Lichtquelle im Bild erscheint. Manche Hersteller haben das deutlich besser im Griff als andere. Auf der anderen Seite sind diese Effekte auch abhängig von der Bauart des Objektivs. Ultraweitwinkelzooms sind wegen ihrer zahlreichen Linsen deutlich stärker betroffen als Festbrennweiten. Wenn Ihr Objektiv deutlich solche Effekte zeigt, sollten Sie erstens eine für genau dieses Objektiv passende Sonnenblende kaufen, auch wenn sie nur aus kurzen Stummeln besteht, und zweitens Aufnahmen meiden, bei denen die Sonne auf dem Bild oder nahe am Bildrand erscheint. Mit ein bißchen Aufmerksamkeit kann man den Einfluß des Streulichts im Sucher gut erkennen. Blendenreflexe machen sich hingegen besonders beim Abblenden bemerkbar, so daß man zur Bildkontrolle auf Arbeitsblende abblenden sollte, sofern dies die Kamera zuläßt.

Architekturaufnahmen gelingen ebenfalls mit Superweitwinkeln. Allerdings muß man hierbei die Kamera waagerecht halten, um stürzende Linien zu vermeiden, was nicht einfach ist, wenn man das gesamte Gebäude abbilden will. Wenn das Gebäude oben nicht vollständig auf das Bild paßt, muß man den Aufnahmestandpunkt erhöhen (Treppe hinaufgehen, Leiter verwenden, von einem Helfer auf die Schultern nehmen lassen etc.) statt die Kamera nach oben zu kippen. Auf der anderen Seite kann man stürzende Linien als bildgestaltendes Element nutzen. Allerdings will dieser Effekt wohlüberlegt und sparsam eingesetzt sein. Vieles, was man auch in Fotozeitschriften an Bildern mit gewollt stürzenden Linien sieht, sind einfach nur Bilder mit stürzenden Linien, und haben mit guten Fotos und vor allem mit künstlerischem Anspruch nichts zu tun.

Völlig ungeeignet sind Weitwinkelobjektive für formatfüllende Portraits. Wenn man so nah an die Person herangeht, daß das Gesicht einigermaßen formatfüllend abgebildet wird, treten die typischen Weitwinkeleigenschaften zutage: Der Kopf ist ein dreidimensionales Gebilde, aus der nach vorne die Nase herausragt. Diese wird als nahes Objekt relativ groß abgebildet. Alles, was vom Objektiv weiter entfernt ist, wird überproportional verkleinert, auch wenn es sich nur um wenige Zentimeter handelt. Dies äußert sich daher in einer grotesken Verzerrung. Auch sollte man dafür sorgen, daß sich keine Personen am Bildrand befinden, auch wenn sie weiter entfernt sind. Aus den in  Besondere Eigenschaften beschriebenen Gründen werden sie in der Breite verzerrt dargestellt. Wenn Personen in Weitwinkelaufnahmen erscheinen sollen, sollten sie sich in einigem Abstand ungefähr in Bildmitte befinden, wo diese Verzerrungen am geringsten sind.


Besondere Eigenschaften von Weitwinkelobjektiven

Weitwinkel- und besonders Superweitwinkelobjektive besitzen zwar keine tonnenförmige Vezeichnung wie z.B. Fish-Eye-Objektive, jedoch sind bei ihnen Objekte am Bildrand sonderlich in die Breite gezogen. Oft ist dann in Fotokreisen von Objektivfehlern und schlechter Korrektur die Rede. Dies ist jedoch überhaupt nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um einen physikalisch bedingten Sachverhalt, den auch das beste Objektiv nicht umgehen kann. Anhand einer geraden Reihe runder Säulen läßt sich dieses Phänomen am einfachsten erklären: In Bild 5 ist, von oben betrachtet, die Säulenreihe und der Film dargestellt. Das im Schnittpunkt der farbig eingezeichneten Lichtbündel vorhandene Objektiv (aus Gründen der Übersicht nicht eingezeichnet) bildet jede einzelne Säule auf dem Film ab. Die Säule in der Mitte wird in einem bestimmten Abbildungsmaßstab, der von der Brennweite und der Entfernung abhängt auf dem Film abgebildet (pinkfarben dargestellt). Die Säule rechts oder links unmittelbar daneben sieht das Objektiv nicht frontal sondern leicht von der Seite. Zudem trifft das blaue Lichtbündel seitlich ins Objektiv ein und trifft auch unter einem bestimmten Winkel auf den Film auf. Je größer dieser Winkel ist, desto schräger fällt das Licht auf den Film und belichtet daher eine größere Fläche als in frontaler Abbildung. Da das Licht sich auf eine größere Fläche verteilt, nimmt die Lichtintensität pro Flächeneinheit ab. Am Bildrand (rotes Lichtbündel) ist der Winkel so groß, daß das Objekt bereits deutlich breiter und damit gleichzeitig dunkler wiedergegeben wird als in der Bildmitte.

Abbildung mit Standardobjektiv
Bild 5: Abbildung bei Weitwinkelobjektiven

Diese Eigenschaft ist geometrisch bedingt und hat mit der Objektivkonstruktion überhaupt nichts zu tun, sondern ist eine typische Eigenschaft von Weitwinkelobjektiven, die man bereits mit einem vergleichsweise zahmen 28-mm-Objektiv beobachten kann. Durch das schräge Auftreffen der Lichtstrahlen auf den Film handelt man sich noch einen weiteren Effekt ein, der ebenfalls geometrisch bedingt ist: Das Licht des Lichtbündels belichtet eine größere Fläche als bei frontaler Abbildung, d.h. die Lichtintensität pro Flächeneinheit sinkt. Das fertig entwickelte Bild ist daher am Bildrand dunkler als in der Mitte. Hinzu kommt, daß die wirksame Öffnung des Objektivs bei schräg eintreffenden Lichtstrahlen geringer ist als bei frontal eintreffenden, wie schon weiter oben beschrieben. Diese beiden Effekte überlagern sich und sorgen für abgedunkelte Bildecken. Man nennt dies natürliche Vignetierung, weil sie rein geometrisch bedingt ist, und es nicht um einen Konstruktionsmangel des Objektivs handelt.


Weitwinkel für wenig Geld

Weitwinkelobjektive bis herab zu 28 und oft noch 24 mm kann man für vergleichsweise wenig Geld kaufen. Bei allem, was darunter ist, gilt leider die Regel: Je kürzer die Brennweite desto überproportional teurer ist das Objektiv. Wie ein Fish-Eye ist auch ein Superweitwinkel kein Allerweltsobjektiv, das man ständig einsetzen kann. Man wird sehr ungern extrem viel Geld für ein Objektiv ausgeben wollen, das man nur selten einsetzen kann. Als Lösungsmöglichkeit bietet sich daher an, ein solches Objektiv gebraucht zu kaufen, z.B. in einer  Online-Auktion. Leider sind Superweitwinkel gefragt und damit auch gebraucht noch relativ teuer, besonders wenn es sich um aktuelle Autofokusmodelle handelt. Viel preiswerter kommt man an solche Objektive, wenn man eine Kamera mit manueller Entfernungseinstellung verwendet, weil die Nachfrage nach manuellen Objektiven geringer ist. Fein raus ist auch der, der eine Autofokuskamera besitzt, an der man auch manuelle Objektive des gleichen Herstellers verwenden kann, was meines Wissens bei Nikon und Pentax der Fall ist. Speziell bei dem auch bei anderen Kameraherstellern weitverbreiteten Pentax-K-Bajonett gibt es unzählige Objektivmarken und damit ein breites Angebot. Der Verlust der automatischen Scharfeinstellung ist vor allem bei extremen Superweitwinkelobjektiven kein wirklicher Nachteil, weil deren Schärfentiefebereich selbst voll aufgeblendet so hoch ist, daß man ohnehin in den meisten Fällen das Objektiv in Einstellung auf Unendlich belassen kann.

Wem auch ein gebrauchtes Objektiv noch zu teuer ist, wird möglicherweise mit brennweitenverkürzenden Objektivvorsätzen liebäugeln. Aber selbst teure Superweitwinkelobjektive von Markenherstellern sind beispielsweise empfindlich gegenüber Streulicht und lassen bezüglich Bildschärfe und Kontrast außerhalb der Bildmitte durchaus etliche Wünsche offen. Irgendwelche, vergleichsweise billige Vorsätze sind fast immer schlecht vergütet und daher sehr streulichtempfindlich. Darüberhinaus sind Geisterbilder nicht unüblich. Zudem kann man den Bildwinkel eines Objektivs nicht ungestraft erweitern. Mit der erheblichen Verschlechterung der Bildqualität hinsichtlich Schärfe und Kontrast geht eine nicht unerhebliche tonnenförmige Verzeichnung einher. Selbst eine Investition von lediglich 50 Euro in einen gebrauchten Weitwinkelvorsatz erscheint mir persönlich daher als hinausgeschmissenes Geld. Denn selbst ein No-Name-Weitwinkelobjektiv mit vielleicht sogar eher mäßiger Abbildungsqualität ist ganz sicher um Größenordnungen besser als ein Vorsatz.
  

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